Kirmes in Tiefenort

Die Kirmes in der Region hat ihren Ursprung in einem kirchlichen Fest. Das Wort "Kirmes" leitet sich von der der Kirchweih-Messe, später als "Kirmesmesse" bezeichnet, ab. 
Die Kirmes wurde zu einer Art Volksfest, an der die ganze Dorfgemeinschaft teilnahm.

Aus der Geschichte der Tiefenorter Kirche/ Kirmes

Das Christentum kam im Jahre 687 durch irisch-schottische Mönche nach Thüringen (Toringen). Das Gebiet an der mittleren Werra unterstand kirchlich den Klöstern Fulda und Hersfeld.


Die älteste Urkunde, die über Tiefenort Auskunft gibt, stammt aus dem Jahre 1137.

Am 13. September 1137 beurkundet Abt Heinrich von Hersfeld, dass der Pfarrer in Königsbreitungen ein daselbst gelegenes Gelände als Bauplatz für ein Armenhospital verwenden darf.


Im 12./13. Jahrhundert wird von den Tiefenortern zunächst die Kapelle auf der Krayenburg als Kirchgebäude benutzt.


Am 23.02.1340 wurde die St. Peterskirche zu Tiefenort (,ecclesia sancti Petri in Tiffeshart') erstmals urkundlich ernannt.


1521 wird als Jahr der Erbauung der jetzigen Kirche angegeben.
Der erste evangelische Pfarrer, Georg Karl, nimmt seinen Dienst 1548 in Tiefenort auf.


Die nachgesuchte Verlegung der Kirchmess zu Tiefenort
(Quelle: Staatsarchiv Weimar / Eis. Archiv Konzessionen Nr.441 a / Privatarchiv B. Altstadt)

 

Amtmann an Regierung:

Was die hiesigen jungen Burschen wegen Verlegung der Tiefenorter Kirmse sich bei mir vernehmen lassen, solches geruhen hochgräfl. Excellenz gnädigst zu ersehen:

Wenn nun diese Kirmse alter Gewohnheit nach, dieses Jahr den Tag nach Michaelis (Michaelistag - 29. September) einfällt, die 14-tägige Verlegung derselben aber dem herrschaftl. Tranksteuerinteresse zu einem nicht geringeren Schaden gereichen würde, man auch nicht die alten abgelebten Zwölfern denn die sind zufrieden, wenn nimmer mehr keine Kirmse gehalten würde, sondern die jungen Burschen befragen sollte: So habe ich auf Verlangen untertänigst folgendes zu berichten:

 

Actum Tiefenort, 13. September 1755

 

Namens des hiesigen jungen Burschen erschienen Johann Georg Mosebach und Nikolaus Fack. Es ist jedes Jahr das Kirchweihfest den 1. Dienstag nach Michaelis gefeiert und gehalten worden. Vor einigen Jahren aber haben die Zwölfer, die den jungen Burschen keine Lust mehr gönnten, was dagegen einzuwenden gewusst, wie sie denn auch jetzt in Erfahrung gebracht, dass selbige durch den Adjunkten Heuse an hochfürstl. Oberconsistorium haben berichten lassen, dass das Kirchweihfest ganze 14 Tage später hinausgelegt werden möchte. Das würde den jungen Burschen, wenn sie brauen sollten, zum größten Schaden gereichen. Wegen des schlechten Wetters müssten sie dann meistens im Gelag bleiben und da dann viel mehr Bier und Branntwein getrunken würde, auch allerhand Zänkerei entstünde, als wenn draußen auf dem Anger getanzt

und sich lustig gemacht werden könnte. Der Vorwand, dass noch kein Grummet gemacht worden wäre, sei von gar keine Erheblichkeit. Sie hielten dafür, dass die Zwölfer das nur vorgebracht hätten, damit sie Gelegenheit zum freien Trunk bekämen, wobei der Gemeinde aber nur Kosten entstehen würde. Wir jungen Burschen möchten von diesen Kosten

verschont bleiben, da wir ja nichts weiter verlangen, als auf dem alten Recht zu bleiben.

 


Regierung Eisenach an Amtmann:

Da die Verlegung des Kirchweihfestes dem herrschaftl. Tranksteuerinteresse nachteilig fallen würde, bitten wir Verfügung zu tun, dass solches Kirchweihfest, wie sonst, den Tag nach Michaelis gehalten werden müsse.

 

Eisenach, den 14. September 1755


Im Jahre 1757 hatte Tiefenort 421 erwachsene Einwohner, die in 146 Häusern wohnten. Es gab neben einer Mehrzahl bäuerlicher Beschäftigter im Dorf 58 Handwerker. Schlichtes Leben. Auch ein bissel Freude. Zur Kirmes, dem Kirchweihfest, beispielsweise.

In einer alten Schrift steht: „Die Jugend huldigte dem Tanze und montags wurde in einem feierlichen Aufzuge eine Strohpuppe zum Flachsgraben getragen und dort verbrannt.“ Der Flachsgraben wurde später „Gänsegarten“ genannt (heute EDEKA Getränkemarkt).

 


Etwa um 1900 spielte die Kirmes schon eine große Rolle. Die Kirmes nahm früher als Kirchweihfest am 1. Donnerstag nach Simon Judä (28. Oktober) ihren Anfang, findet jetzt aber Mitte Oktober statt.


1904 – Kirmes des Musikvereins „Concordia“


Kirmesgesellschaft 1926


 

Kirmesplatzmeister und Kirmesmädchen 1952